In Wanderkarten sind im Bereich der beiden Schneefelder (links im Bild) noch Firnflächen zweier Kleingletscher eingezeichnet. Sie sind vollständig abgeschmolzen.
Vor 10 Jahren konnte man nach einigen hundert Metern Startplatzüberhöhung in Sand in Taufers dort noch jene hochalpine Gletscherrahmung um sich herum erleben, wo sich heute nur noch Schotterflächen präsentieren. Der Klimawandel ist hier so deutlich zu sehen, wie kaum an einem anderen Ort auf der Welt.
In den Alpen wirken die im Mittel etwa 2°C höheren Durchschnittstemperaturen der Sommermonate verheerend. Insbesondere die heute höher reichenden, wärmeren und stärkeren Talwinde föhnen die Eisflächen der Alpen regelrecht davon.
Heute sind am Nordhang der Rieserfernergruppe nur noch zusammengesunkene Restfirne zu erkennen. In wenigen Jahren werden dort ebenfalls nur noch Schotterflächen übrig bleiben.
Klimawandel kommt erst in Fahrt
Und dabei kommt der Klimawandel gerade erst in Fahrt. Bis in die 1990er Jahre löste der anthropogene CO2-Ausstoß einen noch geringen Temperaturanstieg um einige 10tel Grad aus. Aerosole, oder allgemein die Luftverschmutzung, führten zum globalen Dimmen und hemmten nachhaltiges Ansteigen des Temperaturniveaus. Umfangreiche Filteranlagen in Industrie, Haushalt und Verkehr der westlich industrialisierten Welt führten jedoch in den vergangenen beiden Jahrzehnten dazu, dass diese negative Rückkoppelung verloren gegangen ist. (Quelle: Peter Fabian, Leben im Treibhaus).
Nun wird es wärmer, immer schneller. In den Alpen liegen die Jahresmitteltemperaturen vielfach bereits über 2°C über dem langjährigen Mittel von 1960 bis 1990. Mit der Folge, dass nicht nur die Gletscher rasant zurückweichen, sondern dass auch die Talwinde inneralpin stärker geworden sind.
Mit allen damit verbundenen Risiken, wie die gefährliche Windzunahme in Talwinddüsen, die Heftigkeit von Talschlussgewittern nach zwangsweiser Hebung der einfließenden, wärmeren, und vor allem feuchteren und damit wesentlich energiereicheren Luftmassen.
Häufung und Intensität in Bezug der alpinen Gewitter haben zugenommen. Damit werden die Gefahren in Verbindung mit Überentwicklungen, nicht nur im Alpenraum, drastisch zunehmen.
Abschwächung der Nordatlantischen Oszillation
Seit einigen Jahren weiß man, dass die thermohaline Ausgleichsströmung des Golfstromes durch den Süßwassereintrag im Nordatlantik um 30% nachgelassen hat.
Verbunden damit schwächt sich als sich bereits abzeichnenden Trend die sogenannte Nordatlantische Oszillation (NAO) ab. Etwas vereinfacht bedeutet dies, dass der Druckausgleich zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief unter anderem auch aufgrund des abgeschwächten Warmwassereintrages in nördliche Breiten nachgelassen hat.
Die Folgen sind, dass blockierende Kältehochs die Häufung und Dauer des Einflusses milder atlantischer Luftmassen reduzieren. Für die Alpen, sowie für Mittel- und Nordeuropa ist damit ein Trend hin zu einem kontinentalen Klimaeinfluss prognostiziert. Unsicherheit besteht darin, ob sich die bislang steigenden Durchschnittstemperaturen bei uns weiter positiv entwickeln, oder möglicherweise für die kommenden Jahrzehnte, mittelfristig, sogar das Gegenteil für weite Teile Europas möglich sind.
Großwetterlagen verändern sich
Sicher ist, dass sowohl Dauer und Wirkung von Großwetterlagen verändert werden. Eine länger anhaltende Ostlage würde mehr Hammertage für XC Freaks bedeuten. Der Einfluss kalter, trockener kontinentaler Luft, mit deutlichem Temperaturanstieg im Tagesverlauf, würde Thermiken und die damit verbundenen Distanzen für Flugsportler positiv beeinflussen. Grundsätzlich sind es jedoch ebenso diese Thermiken, die für Anfänger enorm gefährlich werden können.
Talwinde, Gewitter und Niederschläge werden zunehmen. Sämtliche Abläufe des bislang bekannten Wettergeschehens werden extremer. Beleg dafür sind die derzeit exponentiell zunehmenden Extremwetterereignisse, die überall auf der Welt vermeldet werden. Nicht nur bei uns – Rekordsommer, Jahrhundertneiderschläge, Rekordtagestemperaturen, Monatsmittelwerte oder Jahresmittelwerte.
Die Folgen des Klimawandels für den Flugsport sind bereits heute zu spüren.
Beispiel Alpen
Thermik: In sommerlichen trockenheißen Witterungsperioden setzt bei Zufuhr kontinentaler Luft unter Hochdruckeinfluss die Thermik früher ein und wird stärker. Im Einfluss höher reichender und stärkerer Talwinde wird die Ablösung der Thermik turbulenter. Die Häufigkeit von Dust-Devils nimmt zu. Leethermiken, die erfahrene Piloten auf Streckenjagd früher noch anflogen, werden durch Überlagerung beider stärker werdenden Winde deutlich kritischer.
Gerade auf der Alpennordseite, wo das Thermikfliegen an den Südhängen der Gebirgsgruppen systematisch im Lee der aus Norden wehenden Talwinde stattfindet, steigt das Unfallrisiko auch für gute Piloten.
Talwind: Die in den Sommermonaten in das Gebirge wehenden Winde sind eine bodennahe, vergleichsweise laminare und kühle Druckausgleichsströmung. Das in den Alpen schneller erwärmte Luftvolumen sorgt für eine Sogwirkung.
Wind wird benannt nach der Richtung aus der er kommt. Talwinde gibt es demzufolge in jeder Tages- und Jahreszeit. Bei Hochdruckrandlagen oder in Tiefdruckgebieten mit deutlichem Windprofil über den Alpen entstehen durch die starken Winde in den Hochlagen Sogwirkungen, die ebenfalls Talwinde entstehen und aufleben lassen.
Sie können quer, entgegengesetzt oder mit der Höhenströhmung, abhängig von den Windgeschwindigkeiten des überregionalen und an den Alpen verstärkten Druckgradienten jederzeit erhebliche Windgeschwindigkeiten erreichen.
Winter weitgehend unverändert
Die Winter haben sich in den Alpen nicht wesentlich verändert. Sehr viel heißere Sommer verändern jedoch die Talwinde. Sie setzen heute tageszeitlich früher ein, halten länger an, werden vertikal mächtiger und im Tagesverlauf deutlich stärker. Damit nehmen sie in den Monaten Juni bis August gefährlichen Einfluss auf unseren Flugsport.
Es entstehen heute häufiger, vor allem aber wesentlich mächtigere Gewitter. Sie reichen ebenfalls höher. Dabei sind alle für den Flugsport lebensgefährliche Begleiterscheinungen noch kritischer ausgeprägt. Die bodennahen Turbulenzen in der Nähe von Gewittern reichen durch die sich verändernden vertikalen Volumenbewegungen weiter.
Für sommerliche Hitzegewitter, die sich bei schwachem Hochdruckeinfluss erst nach voller Talwindentwicklung bilden, werden heute in den Wetterberichten schon regelmäßig Unwetterwarnung heraus gegeben. Talwinde versorgen Überentwicklungen mit Zufuhr warmer, feuchter und damit zunehmend energiereicher Luft. Genau daher sind schon in der Gegenwart Gewitter anders als früher. Und im Trend werden noch dramatischere Wetterereignisse vorausgesagt.
Für Flugschulen ergeben sich Einschränkungen im Ausbildungsbetrieb, die Wenigflieger ebenfalls berücksichtigen sollten:
- Durch früheres und heftigeres Einsetzen der Thermik werden klappstabile, bzw. fehlerverzeihende Geräte immer wichtiger. Thermikpausen müssen insbesondere durch die turbulente Überlagerung aus Thermik und Talwindes eingelegt werden. Ganztägiger Flugbetrieb wird gefährlicher.
Monika Eller, seit 20 Jahren Fluglehrerin im Stubai, bestätigt meine Frage nach der Entwicklung des Talwindes im Stubai sofort: Früher war es ein schwacher Sommerwind. Die Schulung ging ganztägig. Heute muss wegen der deutlichen Talwindzunahme nich selten schon ab Mai der Nachmittag zum Theorieunterricht oder zu Goundhandlingübungen genutzt werden. Das gab es früher nie!
- Andreas Schubert, Papillon Paragliding
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